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 Stadtmuseum

Namenspatron des Hauses ist der wohlhabende Eisenberger Kaufmann Karl Friedrich Klötzner (1853 - 1932), dessen Familie das Anwesen von 1857 bis 1911 besaß und 1884 zu den Gründungsmitgliedern des Geschichts- und Altertumsforschenden Vereins zu Eisenberg gehörte. Archäologische Grabungen zeigten, daß sich bereit im 13. Jahrhundert an dieser Stelle eine feste Wohnstatt befand, deren Fachwerk aber später offenbar einem Brand zum Opfer fiel.
Das heutige Gebäude wurde 1555 erstmals erwähnt, dürfte aber wesentlich älter sein. Im Geschoßbuch war bis um 1580 ein Lorentz Buffendorff eingetragen; ab 1582 war das Haus im Besitz der Stadt, die es u.a. als Mädchenschule nutzte. 1672 war der fürstliche Amtsschreiber Johann Baumann als Besitzer registriert. 1761 kaufte der Rittergutsbesitzer Adam Zeutschel das Anwesen, das aber danach erneut den Besitzer wechselte, denn die Familie Klötzner erwarb es 1857 von dem Hofuhrmacher Louis Schwepfinger.

Markt 26, 07607 Eisenberg
Tel.: (036691) 7 34 54



1911 wurde die Stadt neuer Besitzer. Die Idee, durch den Kauf neue Verwaltungsräume zu schaffen, scheiterten an der schlechten Bausubstanz. So wurde das Haus im 1. Weltkrieg als Volksküche genutzt; ein Plan aus dem Jahre 1935, hier den Ratskeller einzurichten, wurde verworfen. Bis 1984 diente der Bau als städtisches Wohnhaus.
In jenem Jahr faßte der Rat des Kreises den Beschluß, im Klötznerschen Haus ein Stadtmuseum einzurichten. 1984 wurden die ersten beiden Ausstellungsräume eröffnet; gleichzeitig zogen die letzten Mieter aus. Die Ausstellung blieb aber nur wenige Tage geöffnet, danach ging der Umbau nur noch schleppend voran. Erst ab 1988 wurde wieder zielgerichtet gearbeitet, und 1992 konnte eine Teil des Stadtmuseums der Öffentlichkeit übergeben werden. Seitdem werden nach und nach weitere Räume fertiggestellt, die den Weg von der Frühgeschichte des Siedlungsgebietes bis zur industriellen Entwicklung Eisenbergs dokumentieren.

Museumskeller

Die Keller mit ihren wuchtigen Tonnengewölben dürften in ihren ältesten Teilen aus dem Mittelalter stammen.
Teilweise sind sie frei aus dem Sandstein gehauen und stimmen mit dem heutigen Hausgrundriß nicht überein. Bei der Beräumung der mit Siedlungsschutt verfüllten Räume stieß man auf Keramikstücke aus dem 13. Jahrhundert, vor allem in einem 14 Meter tiefen Schacht, der inzwischen vollständig freigelegt wurde und vom Besucher besichtigt werden kann. Die Funktion des Schachtes ist bis heute unklar. Es gibt keine Sedimente, die auf einen Brunnen schließen lassen, hingegen fand man eine Menge unbeschädigter Tierknochen und Gehörne, die nahelegen, daß hier heidnische Opferhandlungen vorgenommen wurden. Im übrigen wurden die Keller u.a. zur Vorratshaltung genutzt, wie die ausgegrabenen Gefäße und die Reste ihres Inhaltes zeigen.

Ein weiterer Keller in Kreuzform könnte eine frühchristliche Anlage sein, deren Funktion bis heute nicht geklärt ist.
Die Fundstücke sind heute in den Kellergewölben ausgestellt, unter ihnen das Fragment eines tönernen Gießgefäßes in Gestalt eines Tierkopfes (Aguamanile), das man aus islamischen Kulturen kennt, und das im Mittelalter den Priestern zur Handwaschung während der Messe diente.

Erdgeschoß und Innenhof

Die Räume, die sich an den Eingangsbereich anschließen, erhielten ihre heutige Gestalt im 15./16. Jahrhundert. Besonders eindruckvoll ist die Holzbalken-decke aus der Renaissance im Raum 1.2., in dem interessante Sonderausstellungen gezeigt werden.
Im angrenzenden Raum fand man bei der Rekonstruktion des Hauses die Reste einer mittelalterlichen Feuerstelle. Heute bietet dieser Raum als "Schwarze Küche" dem Besucher das Bild eines typischen mittelalterlichen Interieurs mit reichhaltiger Ausstattung.

Der Innenhof mit seinem Laubengängen birgt neben allerlei landwirtschaftlichem Gerät eine bemerkenswerte Sammlung sogenannter Feierabendziegel. Sie beruhen auf dem uralten Zieglerbrauch, den letzten Ziegel, der in den Brennofen gelegt wurde, mit den Initialen oder einem anderen Zeichen des jeweiligen Meisters zu versehen. Der Innenhof, an den das kleine Museumscafe angrenzt, eignet sich hervorragend für kleine sommerliche Feiern, Konzerte und Lesungen.

Erstes Obergeschoß

Über eine geschwungene Treppe gelangt der Besucher in das erste Obergeschoß, dessen Räume die jüngere Geschichte Eisenbergs dokumentieren. Der große Raum, den man zuerst betritt, beherbergt vor allem Zeugnisse der Eisenberger Industriegeschichte und - in einer Ecke - eine historische Räucherkammer mit verschiedenen Exponaten.

Der angrenzende Raum ist dem Herzog Ernst von Sachsen Altenburg gewidmet und enthält das für das ausgehende 19. Jahrhundert typische aristokratische Interieur mit zahlreichen Originalstücken. Eine Tafel zeigt die Ahnenreihe der Altenburger.

Das Barockzimmer steht ganz im Zeichen von Schloß Christiansburg und erinnert an die kurze Zeit, in der Eisenberg Residenzstadt war. Zahlreiche Exponate aus dem Schloß sind hier zu sehen. Die barocke Stuckdecke, dem Verfall schon fast preisgegeben, wurde aufwendig restauriert.

Raum 2.6 ist der Eisenberger Vereinsgeschichte gewidmet. Historische, teils kuriose Exponate belegen den Reichtum, den Eisenberg in dieser Hinsicht aufzuweisen hat. Im Seitenflügel sind die Reste der Renaissancebemahlung zu sehen, mit denen Tür und Decke versehen waren.