Das Gambrinus – ein Stück Eisenberger Stadtgeschichte

Gambrinus Archiv Nadine Fellmuth, Stadtarchiv
Petra Häßler und ihre Schwester Heike mit Uwe Haß, dem heutigen Betreiber und ebenfalls Urenkel der damaligen Wirtsfamilie.

14.09.2026

1878 übernahmen die Eheleute Christian Adolf Häßler, ein Instrumentenschleifer aus Podebuls, und seine Frau Pauline ein Haus in der damaligen Adelheidstraße 1. Innerhalb weniger Jahre entwickelten sie es zu einem der beliebtesten Wirtshäuser der Stadt. Sie bewarben ihr Gasthaus regelmäßig im Eisenbergischen Nachrichtenblatt. In und auf ihrem weitläufigen Gelände boten sie von Anfang an Veranstaltungen an und natürlich Speisen und Getränke. 

Nach dem frühen Tod ihres Mannes 1883 betrieb Pauline Häßler das Gasthaus allein weiter, wobei sie sicher auch Unterstützung durch ihre vier Kinder bekam.
Während ihre Töchter Anna und Elsa nach ihren Vermählungen frühzeitig das Elternhaus verließen, traten die Söhne Adolf Ernst Kurt Häßler und Christian Adolf Max Häßler in die Fußstapfen der Eltern und arbeiteten als Kellner im Gambrinus mit. Dieses hatte sich inzwischen zu einem beliebten kulturellen Treffpunkt, auch für Vereine, entwickelt. Neben einem um 1900 erbauten Saal und der „Grottenklause“ gab es diverse Annehmlichkeiten, wie schon der offizielle Name verriet: „Etablissement Gambrinus – Kinematograph, Gartenlokal, Kegelbahn, Wintergarten“.

Die Familie geht getrennte Wege

Zwischen 1908 und 1909 verließ Christian Adolf Max mit seiner Frau Elfriede Rosa Olga Häßler und seinen zwei Töchtern Eisenberg und baute sich mit ihnen in Leipzig eine neue Existenz auf. Sein älterer Bruder Adolf Ernst Kurt blieb in Eisenberg und führte als Gastwirt gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Ehefrau Hedwig Marie Elise, einer gelernten Köchin aus Leipzig, das Gasthaus weiter.

Wiedersehen der Urenkel in Eisenberg

Im Sommer 2026 trafen sich nun erstmals die Urenkelkinder der Brüder Adolf Ernst Kurt und Christian Adolf Max in Eisenberg. Vorausgegangen war eine Anfrage von Petra Häßler an das Stadtarchiv. Gemeinsam mit ihrer Schwester Heike – beide sind gebürtige Leipzigerinnen – arbeitet sie ihre umfangreiche Familiengeschichte auf. Zusammen mit Uwe Haß, dem heutigen Betreiber des Gambrinus und Urenkel von Adolf Ernst Kurt, sowie Nadine Fellmuth vom Stadtarchiv stöberten sie in alten Unterlagen zur Familie und zum Gasthaus „Gambrinus“, sichteten lokale Zeitungen und betrachteten Fotos und alte Postkarten.

Sie tauschten sich über ihre gemeinsame Familiengeschichte aus: Die Schwestern berichteten ausführlich von ihren bisherigen Nachforschungen und stellten dem Archiv einige Schriftstücke in Kopie zur Vervollständigung der städtischen Dokumentation zum Gambrinus und dessen Betreibern zur Verfügung.

Uwe Haß sprach von seinem Leben im Gasthaus: von der Zeit, als noch drei Klaviere im Gebäude standen, die Kegelbahn genutzt wurde, eine Kirche sich eingemietet hatte, Judoka in einem Teil der Räume trainierten und die „Grotte“ ein beliebter nächtlicher Treffpunkt war. Er sprach aber auch vom katastrophalen Brand, der das Gebäude 2013 zerstörte, und von der Wiedereröffnung 2014.

Eisenbergs Geschichte ist noch nicht auserzählt

Es war für alle ein sehr ergiebiges und emotionales Treffen, das einmal mehr bestätigte: Die Geschichte der Stadt Eisenberg und ihrer Bewohner ist noch nicht auserzählt.

Die Mitarbeiter des Stadtarchivs unter Leitung von Nadine Fellmuth werden auch in Zukunft Erinnerungen sammeln und für die Nachwelt aufbewahren. Sie sind dabei auf die Mithilfe der Eisenberger angewiesen und dankbar für jeden, der Erinnerungen teilen und aussagekräftige Archivalien zur Verfügung stellen möchte, bevor diese verschwinden.

So erreichen Sie das Stadtarchiv: 
E-Mail: archiv@rathaus-eisenberg.de 
Telefon: 036691 73-461

Gambrinus Archiv
Ausschnitte aus dem Eisenbergischen Nachrichtenblatt von 1878 und 1884.
Gambrinus Archiv Stadtarchiv
Postkarte nach 1910